Mountainbikes (und andere Fahrräder) für Kinder
Bei Fahrrädern für Kinder scheiden sich die Geister. Für manchen reicht das gebrauchte Puky, auf dem bereits das x-te Kind das Fahrradfahren lernt. Andere geben viel Geld für Lifestyle-Bikes oder qualitativ hochwertige, teils zugegebenermaßen übertriebene Nachwuchs-Bikes aus. Denn mal ehrlich: Die hydraulische Scheibenbremse am 12″ Laufrad sieht enorm cool aus, ist aber selbst bei ambitionierten Kindern nicht essentiell nötig.
Auf den folgenden Seiten werden verschiedene Bikes für Kids vorgestellt, die ich als Ergebnis meiner Recherche für vielversprechend befunden habe. Ich möchte betonen, dass meine Einschätzung rein auf Specs und Vergleichen beruht und wir die meisten Räder nicht selbst getestet haben. Es geht los bei Laufrädern in 12″ und 14″, weiter zum ersten richtigen Fahrrad mit Pedalen in 12″ und vor allem 14″ und von dort dann mitwachsend über 16″ zu 20″. Bei der Folgegröße 24″ sind wir noch nicht angekommen, aber ich erwähne trotzdem ein paar Bikes, die sicher einen Blick wert sind.
Zunächst stellt sich jedoch die Frage: Woher bekommt man das Rad?
Neu oder gebraucht?
Die Frage entscheidet sich für mich rein nach dem Angebot. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit gebrauchten Kinderbikes gemacht. Vor allem die hochwertigeren Modelle kommen meist aus erfahrenen MTB Haushalten und sind entsprechend gut gepflegt. Einzelne Komponenten kann man fast immer austauschen (teilweise dabei gerne upgraden; siehe MTB Komponenten für Kids), so dass kleinere Beschädigungen oder Macken an Sattel, Griffen oder Bremshebeln in Kauf genommen werden können. Kratzer am Rahmen hat jedes Bike nach der ersten echten Ausfahrt im Gelände und dem ersten Sturz ohnehin – da machen ein paar vorhandene nichts aus.
Die Preise von gebrauchten Kinderrädern der gefragten Hersteller sind erstaunlich hoch, man kann aber auch hin und wieder gute Schnäppchen machen. Der Vorteil des allgemein hohen Preisniveaus: man kann die Bikes auch wieder gut weiterverkaufen wenn sie zu klein werden. Ich habe schon mehr als ein Bike nach 1 bis 1,5 Jahren zum (annähernden) Neupreis weiterverkauft. Das setzt die initiale Investition dann auch in ein anderes Licht und senkt die Hemmung vor einem Anschaffungspreis im deutlich dreistelligen Bereich.
Idealerweise findet man ein Angebot in der Umgebung, so dass man sich teuren Sperrgut- oder gar Speditionsversand erspart. Zudem kann man sich dann schon vor dem Kauf einen direkten Eindruck vom Zustand verschaffen, ggf. die Technik selbst prüfen und den Nachwuchs zur Probefahrt anleiten, was auch sicherstellt, dass die Größe und Geometrie passt. Sehr zu empfehlen ist dabei sich einen Kaufnachweis, idealerweise die Originalrechnung aushändigen zu lassen. So stellt man nicht nur sicher, dass kein fremdes Kind dieses Bike schmerzlich vermisst (Stichwort Diebstahl). Der Kaufnachweis ist auch für die eigene Versicherung wichtig, sollte das Fahrrad gestohlen werden.
Fahrräder sind häufig über die Hausratversicherung mitversichert oder können dort gegen geringe Gebühr (ein- bis zweistelliger Euro-Betrag jährlich) aufgenommen werden. Dabei die Deckungssummen beachten!
Tipp zum Thema Versicherung
Es gibt unterschiedlichste Fahrradhalterungen, um Apple AirTags am Bike zu platzieren (z. B. am Sattel, im Gabelschaft, in der Klingel oder im Vorbau). Leider funktionieren nicht alle für kleine Kinder-Bikes. Generell ist damit aber unter Umständen und in Grenzen die Nachverfolgung eines gestohlenen Bikes möglich. Mehr dazu im separaten Artikel.
Tipp zur Diebstahlsicherung
Zu einem neuen Bike vom Händler rate ich dann, wenn das gewünschte Bike partout nicht auf dem Gebrauchtmarkt zu finden ist oder man sehr konkrete Vorstellungen davon hat, welches Bike es sein muss (was das Finden eines gebrauchten Bikes ebenfalls schwieriger machen kann). Aufgrund des hohen Preisniveaus am Gebrauchtmarkt ist eine Neuanschaffung meist aber auch nicht deutlich teurer als ein gebrauchtes Rad, vor allem wenn man zum Saisonende einkauft oder ein Vorjahresmodell im Sale ergattern kann. Und wie schon erwähnt relativieren sich die Preise vor dem Hintergrund, dass die Bikes später ja auch zu entsprechenden Preisen weiterverkauft werden können.
Der Online Store und der lokaler Händler
Auch hier wird einem die Entscheidung oft durch das Angebot abgenommen. Die meisten Fahrradhändler führen ein eher begrenztes Angebot an Kinderrädern, das sich häufig auf die gängigsten Marken des Massenmarktes beschränkt. Versucht mal beim kleinen Fahrradladen um die Ecke ein vollwertiges 20″ Fully zu erstehen. Da wird man in der Regel in ratlose Händlergesichter blicken. Ähnliches gilt leider für die meisten hier vorgestellten Bikes, mit Ausnahme des Woom und dem einen oder anderen Cube.
Die Unterstützung der lokalen Wirtschaft ist natürlich trotzdem erstrebenswert. Und wenn man das Bike beim Händler um die Ecke erworben hat, dann ist die Sache auch im Fall von Gewährleistungs-, Garantie- oder Reparaturfällen einfacher. Aber das funktioniert eben nur, wenn der Händler auch das entsprechende Angebot hat oder einem bei der Beschaffung (zu akzeptablen Konditionen) behilflich sein kann/will.
Den lokalen Fahrradladen wird man ziemlich sicher brauchen. Nicht jeder hat die Fertigkeiten, Zeit, Motivation oder das nötige Werkzeug um Instandhaltung und Reparaturen am Fahrrad selbst vorzunehmen. Bein manchem schrecken selbst erfahrene Schrauber zurück. Hier hilft die Fahrradwerkstatt um die Ecke – hoffentlich! Leider wird man dort nicht immer mit offenen Armen empfangen, wenn man das Bike nicht in deren Laden gekauft hat. Manches mal wird argumentiert, dass man bestimmte Hersteller nicht führe oder Ersatzteile nicht beschaffen kann. Andernorts wird ggf. ein Aufschlag für die Reparatur „fremder“ Fahrräder fällig. Das ist schade. Gute Fahrradwerkstätten helfen aber trotzdem weiter und nehmen sich eures Bikes vorurteilsfrei an. Es sei aber auch erwähnt, dass letzthin vielerorts lange Wartezeiten beobachtet werden können und man Reparaturtermine erst in mehreren Wochen bekommt. Daher bin ich dazu übergangen vieles selbst zu erledigen. Das meiste ist wirklich kein Hexenwerk.
Die Preise: happig aber lohnenswert!
Als es um unser erstes Kinderfahrrad ging habe ich zunächst geschluckt und den Vorschlag 350,- EUR für ein Kinderfahrrad von Woom auszugeben als absurd abgetan. Im Nachhinein bin ich allerdings froh, dass wir uns damals für das Woom 2 entschieden haben. Folgerichtig haben wir für Kind #2 genau das gleiche Rad in anderer Farbe noch einmal gekauft und waren wiederum komplett zufrieden.
Warum haben wir das erste Woom nicht einfach behalten und später weitervererbt?
Nun, wir haben beim Upgrade vom Woom 2 auf das traumhafte Canyon Offsping AL 16″/18″ Mullet einen kostenneutralen Tausch vollzogen. Das Woom wurde zum Neupreis weiterverkauft und für den gleichen Preis konnten wir das Canyon gebraucht erstehen. Wir haben also für das größere Fahrrad effektiv nicht drauf gezahlt, sondern 1:1 „getauscht“. Beim nächsten Bike haben wir das nicht ganz geschafft, aber das folgende Commencal Supreme 20″ Fully war einfach auch gebraucht recht teuer. Das Canyon konnten wir aber gebraucht sogar zu einem höheren Preis verkaufen als wir ursprünglich dafür bezahlt hatten!

Die Preise sind also im ersten Augenblick sicherlich abschreckend – vor allem wenn man bedenkt, dass ein „Standard“-Puky Rad gebraucht für zweistellige Beträge zu haben ist. Der Preis relativiert sich m. E. allerdings durch den potentiell hohen Wiederverkaufswert. Die gebotene Qualität rechtfertigt die Preisschilder auf jeden Fall. Und wer selbst gerne MTB oder allgemein Fahrrad fährt, der weiß:
Mit gutem Material macht das Fahren einfach viel mehr Spaß!
Natürlich gibt es keine Garantie, dass ihr euer Bike später zum gewünschten Preis weiterverkaufen könnt. Angebot und Nachfrage sind am Fahrradmarkt sehr dynamisch und hängen teilweise von der Saison oder auch der Liefersituation für Neufahrräder ab.
Darüber hinaus ist in der beschriebenen kostenneutralen Rechnung nicht einkalkuliert, dass ggf. Kosten für Instandhaltung und/oder Reparaturen anfallen. Verschleißteile am Fahrrad müssen ab und zu gewechselt werden (Mäntel, Schläuche, Bremsbeläge und ähnliches) und vor allem bei Kindern geht öfter mal etwas kaputt (z. B. die Griffe oder der Sattel). Wenn ihr wie ich etwas Fahrrad-verrückt seid, dann spendiert ihr eurem Nachwuchs auch vielleicht das eine oder andere Komponenten-Upgrade. Eine Inspektion – entweder selbst durchgeführt oder in einer Fachwerkstatt – schadet ab und an auch nicht, vor allem wenn die Bikes gerne und artgerecht verwendet werden. Und auch die möchte bezahlt werden.
Cycling – it’s cheaper than therapy!
Unbekannte Quelle
Just kidding. It’s not.
Insofern ist dann auch ein hoher Wiederverkaufspreis durchaus gerechtfertigt und man muss kein schlechtes Gewissen haben den nächsten Käufer über den Tisch zu ziehen, auch wenn man zu einem ambitionierten Preis anbietet. Vor allem wenn diverse Ersatz- und Verschleißteile im Angebot enthalten sind.
Für jeden? Nicht unbedingt
An dieser Stelle sei erwähnt, dass nicht jedes Kind die Bike-Begeisterung der Eltern teilt – egal wie viel Mühe man sich gibt. In diesem Fall hilft vermutlich auch das teuerste und coolste Lauf- oder Fahrrad nicht. Manche als „neuwertig“ oder „selten benutzt“ verkaufte Gebrauchträder zeugen vermutlich von genau solchen Geschichten. Da reicht dann also vielleicht doch das günstige Rad vom Fahrradladen um die Ecke für die gelegentliche Fahrt zum Kindergarten oder in die Schule.