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Fahrräder 12″ und 14″

Das erste Fahrrad ist ein großer Schritt im Leben eines jeden Kindes. Zumindest für die Eltern. Für Laufrad-erfahrene Kids ist der Umstieg tatsächlich keine sonderlich große Sache. Wer das Gleichgewicht und grundlegende Bewegungsabläufe schon auf dem Laufrad trainiert hat, dem fällt der Umstieg auf ein Fahrrad mit Pedalen sehr leicht. Nach meiner Erfahrung können Kinder diesen Umstieg problemlos zwischen dem dritten und dem vierten Geburtstag absolvieren. Wichtig dabei: der Nachwuchs muss auch wollen!

Die Lernphase

Die Augen manches Kindes leuchten beim Anblick des ersten Fahrrads und das Laufrad ist unmittelbar vergessen. Unser Sohn ist bei der allerersten Probefahrt auf’s Rad gestiegen und sofort losgefahren. Nach einigen wenigen Versuchen fuhr er als hätte er nie etwas anderes gemacht. Am zweiten Tag sind wir bereits zu einer Fahrradtour über mehrere Kilometer aufgebrochen. Unglaublich! Von da an mussten wir jeden Tag eine Runde drehen und man konnte erstaunliche Fortschritte bestaunen.

Aber nicht alle Kinder sind sofort Feuer und Flamme für das Fahrradfahren. Manche präferieren zunächst noch ihr gewohntes Laufrad. In diesem Fall: regelmäßig Angebote machen, Hilfestellung geben, evtl. andere (idealerweise gleichaltrige) Kinder einbeziehen und vorfahren lassen. Aber nicht zu sehr pushen und keinen Druck ausüben. Ansonsten hilft nur Geduld. Irgendwann macht es „Klick“ und das alte Laufrad ist ganz plötzlich abgeschrieben.

Das Gleichgewicht war bei uns nie ein Problem, dank der ausgiebigen Übung mit dem Laufrad. Insofern hat sich die Fragen nach Stützrädern nie gestellt. Ob die für das eigene Kind sinnvoll sind muss jeder selbst entscheiden.

Es kann sein, dass jüngere Kinder noch Schwierigkeiten mit dem motorischen Ablauf des Pedalierens haben. Hier hilft es, wenn vorher schon andere Fahrzeuge mit Pedalen gefahren wurden (z. B. Dreirad, Kettcar, Tret-Bagger).

Empfehlen kann ich ein Abschleppseil. Wir haben uns für das Trax MTB Abschleppsystem (um 30,- EUR) entschieden, es gibt aber verschiedene Anbieter und Modelle. So kann man das Fahrrad auch schon nutzen wenn das Kind noch nicht eigenständig von der Stelle kommt und den Nachwuchs mit den Bike vertraut machen. Das Fahren am Seil haben die Kinder recht schnell raus. Vorausschauende Fahrweise des Ziehenden und enge Kommunikation mit dem Nachwuchs sind dabei sehr wichtig, z. B. damit man bei Pollern, Schildern oder Straßenlaternen durch die selbe Öffnung fährt und das Seil nicht am Hindernis hängen bleibt. Ebenso wichtig ist, dass der Nachwuchs das Bremsen schon selbstständig beherrscht. Das mögliche Fahrtempo hängt vom Nachwuchs ab. Manche Kinder lieben den Rausch wenn Mama oder Papa mal so richtig Gas geben, andere sind eher konservativ und wollen eher gemächlich unterwegs sein. Der gezogene hat hier das Sagen! Auch wichtig ist die konstante Aufmerksamkeit des Zugfahrers. Stürzt der Nachwuchs ist eine unmittelbare und abrupte Notbremsung nötig, damit man sein Kind nicht hinter sich herschleift.
Wir haben das System übrigens auch schon mit dem Laufrad genutzt.

Die Größe ist gesetzt

Es gibt eine überschaubare Auswahl an Fahrrädern mit Pedalen in 12″. Diese sind für Frühstarter und vielleicht den eher nicht ganz so groß gewachsenen Nachwuchs interessant. Die meisten Kinder dürften in dieser Größenordnung noch mit dem Laufrad unterwegs sein, teilweise auch noch mit 14″. Für die meisten Kinder dürfte ein Fahrrad in 14″ das erste richtige Bike mit Pedalen sein. Für spätere Starter oder sehr große Kinder können auch schon die Bikes mit 16″ interessant sein.

Ausstattung

Generell empfiehlt es sich auf ein möglichst geringes Gewicht des Fahrrads zu achten. Eine kindgerechte Ausstattung (also z. B. kleine verstellbare Bremshebel, Kettenschutz, niedriger Einstieg) wird vorausgesetzt. Ich empfehle Vorder- und Hinterradbremse am Lenker und keine Rücktrittbremse. So lernen die Kinder schon früh mit diesen beiden Bremsen umzugehen und müssen sich später nicht umgewöhnen. Ein schönes Detail der Woom-Räder: Sie haben unterschiedlich gefärbte Bremshebel mit passenden Bremsklötzen für vorne und hinten. So ist es schön visuell welche Bremse an welchem Rad bremst. Auf diesem Weg können Kinder auch schon sehr früh zuverlässig lernen, Rechts und Links zu unterscheiden. Einfach bei Anweisungen zum Abbiegen und in vergleichbaren Situationen immer die Richtung mit der Bremshebelfarbe zusammen nennen („Wir biegen rechts ab, also grüne Bremse.“).

Die Klingel ist selbstverständlich obligatorisch. Auch Schutzbleche können sinnvoll sein, vor allem wenn das Bike auch bei Wind und Wetter für Alltagsfahrten (z. B. zum Kindergarten) genutzt wird. Licht in Form von abnehmbaren Akku-Leuchten ist empfehlenswert, zumindest wenn es morgens früh in den Kindergarten geht oder evtl. abends mal etwas später werden kann. Für die optimierte Sichtbarkeit empfehle ich Reflektoren. Dabei präferiere ich solche, die auf die Felge aufgeklebt werden oder auf die Speichen aufgesteckte Sticks gegenüber klassischen Katzenaugen. Zudem gibt es farbliche LED-Leuchten, die man auf die Nabe aufstecken kann. Diese aktivieren sich automatisch bei Erschütterung/Bewegung und gehen von alleine wieder aus wenn das Rad steht. So leuchtet das gesamte Rad in eurer Lieblingsfarbe.

Ggf. empfiehlt sich ein AirTag als Bike-Tracker falls das Fahrrad einmal abhanden kommen sollte.

Disclaimer: Ob das Fahrrad mit oben genannter Ausstattung gemäß StVO „zulässig“ oder „verkehrssicher“ ist überlasse ich eurer eigenen Einschätzung. Für mich liegt der Fokus zum einen auf Praxistauglichkeit für den Sport, zum anderen auf Sicherheit/Sichtbarkeit. Nach meinem Verständnis gelten Fahrräder dieser Größe ohnehin noch als Spielzeug und Kinder im entsprechenden Alter müssen im Straßenverkehr unter Aufsicht auf dem Bürgersteig fahren. Aber ich bin weder Jurist noch StVO-Experte.

Aber nun endlich zu den Bikes

12″ Fahrräder

  • Cubie 120 RT 12″ – 350,- EUR zzgl. Lieferung
    Cube ist einer der aktuell beliebtesten MTB Hersteller, der gute Kinder-Bikes in allen Größen herstellt. Das 12″ Fahrrad ist ein schöner Einstieg für die ganz Kleinen, die schon mit Pedalen fahren wollen. Im Gegensatz zu den meisten gelisteten Bikes (abgesehen vom Woom) ist es evtl. sogar im stationären Handel zu finden. Das Bike kommt mit V-Brake vorne und Rücktrittbremse hinten. Es ist bei einem Gewicht von bei 5,9 kg für Kinder zwischen 87 cm und 104 cm ausgelegt. Gebraucht wird es ab 200,- EUR aufwärts gehandelt.
  • Supurb BO12 12″aktuell nicht neu erhältlich (ursprünglich 400,- EUR)
    Eines der kleinsten und leichtesten Kinderfahrräder wird leider aktuell nicht mehr hergestellt, ist aber zu Preisen um 300,- EUR noch gebraucht zu bekommen. Es wiegt gerade einmal 5,6 kg und soll für Kinder ab 2,5 Jahren geeignet sein. Es ist mit einer V-Brake am Hinterrad ausgestattet. Die Marke wurde über die letzten Jahre neu aufgestellt und startet ab März 2023 den Vertrieb wieder über bike-components. Aktuell sind dort nur die größeren Modelle gelistet, aber vielleicht kommt irgendwann ja noch eine Neuauflage des 12″ Bikes.

14″ Fahrräder

Foto eines Woom Original 2 Kinderfahrrads mit 14" Laufrädern in Gelb
  • Woom Original 2 14″ – 399,- EUR zzgl. Lieferung
    Mein Favorit bei den 14″ Kinderfahrrädern. Es ist mit 5 kg das leichteste Bike am Markt, für Kinder zwischen 95 cm und 110 cm ausgelegt und punktet mit jeder Menge durchdachter kindgerechter Details. Die Fahrräder sind aktuell sehr beliebt, auch jenseits der MTB-Bubble am breiten Massenmarkt. Das sorgt für einfachen Absatz und hohe Wiederverkaufspreise. Das erhältliche Zubehör ist nicht sonderlich preiswert, dafür aber ideal auf das Fahrrad abgestimmt. Zum Kaufpreis kommen also entsprechend noch Kosten für Ständer, Klingel und Schutzbleche hinzu, je nach Bedarf. Auf dem Gebrauchtmarkt starten die Preise je nach Ausstattung bei 300,- EUR und gehen bis zum Neupreis von 400,- EUR für wenig genutzte Fahrräder mit guter Ausstattung.
  • Commencal Ramones 14″ – 340,- bis 425,- EUR zzgl. Lieferung
    Ein sehr schönes echtes Mini-MTB mit mechanischen Schreibenbremsen von Tektro, was auf jeden Fall viel hermacht. Es ist wie das Woom 2 für Kinder von 95 cm bis 110 cm ausgelegt, aber mit 7,6 kg deutlich schwerer. Daher für mich in dieser Größenordnung nicht die ideale Wahl. Die Gebrauchtpreise variieren zwischen 150,- EUR und 300,- EUR, wobei die Ausstattung der angebotenen Bikes zu beachten ist. Je nach Modell sind teilweise V-Brakes statt Scheibenbremsen verbaut.
  • Early Rider Seeker 14″ – 450,- EUR zzgl. Lieferung
    Ebenfalls ein sehr schönes kleines Bike mit V-Brakes und Riemenantrieb (was das Gehäuse um die Kette einspart), welches für Kinder von 3 bis 5 Jahren gerade einmal 5,6 kg auf die Waage bringt. Es gibt auch eine „Straßen“-Variante, das Belter 14″, mit sehr ähnlichen Specs. Es unterscheidet sich primär durch andere Reifen, Pedale und Sattel. Gebraucht wird das Seeker zwischen 350,- EUR und 400,- EUR gehandelt.
  • KUbike 14″ – aktuell nicht neu erhältlich
    Auch die Marke KUbike hatte ein Modell mit V-Brakes in 14″, welches aber aktuell auf ihrer Website nicht mehr angeboten wird. Man findet die Bikes gebraucht für Preise zwischen 200,- EUR und 300,- EUR.

Ein netter Vergleich zwischen weiteren 14″ Fahrrädern findet sich in diesem Forum.


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