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Laufräder 12″ und 14″

Laufräder sind die ideale Vorbereitung auf das Fahrradfahren. Unsere Kinder sind mit 2 bis 2,5 Jahren auf dem Laufrad gestartet und hatten den Dreh recht schnell raus. In der Folge war der Umstieg auf das „echte“ Fahrrad mit Pedalen ein Klacks: Die Lernphase unseres Sohnes beschränkte sich auf das erste Aufsteigen auf’s Rad und einige Startversuche. Bereits am nächsten Tag haben wir gemeinsam eine Fahrradtour über mehrere Kilometer gemacht. Das Gleichgewicht und Handling des Rads war durch die Übung mit dem Laufrad einfach schon da und bestens ausgeprägt. Wer also früh mit dem Laufradfahren anfängt, dem fällt der Einstieg ins Fahrradfahren später umso einfacher. Da muss man über Stützräder oder dergleichen gar nicht erst nachdenken.

Auf die Größe kommt es an

Die Wahl der Größe (12″ vs. 14″) hängt von der Körpergröße des Kindes ab. Die meisten Kids werden aber mit dem 12″-Laufrad starten. Dazu listen alle Hersteller entsprechende Empfehlungen für ihre Bikes auf Basis von Alter und/oder Körpergröße auf den Produktseiten. Letzteres sollte der Ausschlaggebende Faktor sein. Dabei sollte man vor allem bei Laufrädern, also dem Einstieg in die Welt des Fahrradfahrens, ein passendes Bike wählen und nicht der Versuchung verfallen ein (zu) großes Rad auszuwählen, damit es länger hält. Denn mit einem zu großen und damit auch schwereren Bike wird der Nachwuchs weniger Spaß haben und vielleicht nicht (so schnell) dieselbe Leidenschaft zum Biken entwickeln. Bedenkt dabei: Kids im Laufrad-fähigen Alter wiegen meist zwischen 12 kg und 15 kg. Da ist ein 4 kg bis 5 kg schweres Laufrad schon nicht ohne, denn das entspricht 1/3 des Körpergewichts. Für einen 90 kg schweren Erwachsenen wäre das also im Vergleich ein 30 kg schweres Bike – mehr als die meisten aktuellen e-Bikes auf die Waage bringen. Da macht also für die Kleinen auch schon 1 kg Unterschied im Gewicht des Bikes richtig was aus (20-25% des Bikegewichts bzw. 6-8% des Körpergewichts).

Daher: lieber klein Anfangen und öfter wechseln! Denn gebrauchte Bikes lassen sich erstaunlich gut weiterverkaufen wenn ihr auf das nächst größere Modell wechselt.

Ausstattung

Sneaker mit verschlissener Vorderseite vom Bremsen mit dem Laufrad

Bei der Ausstattung ist für alle Kids die Klingel natürlich ein Muss. Ich würde auch zu einer regulären Bremse raten. Das trainiert schon früh wie man später am Fahrrad bremst. Vielleicht klappt das nicht von Anfang an, aber zumindest die Möglichkeit besteht und wird im Laufe der Laufradler-Karriere dann früher oder später auch genutzt. Zudem sorgt es – sobald es beherrscht wird – für geringere Abnutzung der Schuhe. Bei ausgiebiger Nutzung der Fußbremse kann man sonst monatlich neue Kinderschuhe bestellen, damit nicht die Zehen vorne herausschauen…


Je nach Nutzungsprofil können Schutzbleche interessant sein. Wer sein Rad wirklich bei Wind und Wetter für die tägliche Fahrt zum Kindergarten verwendet, der wird es zu schätzen wissen nicht immer Matschhose tragen zu müssen oder ein nasses Hinterteil zu bekommen. Wer das Bike primär zur Ausfahrt ins Gelände braucht, der sollte ohnehin nicht damit rechnen sauber oder – bei Regen – trocken nach Hause zu kommen, was bei nicht zu niedrigen Temperaturen auch kein Drama ist. Gewaschen werden müssen Fahrer, Kleidung und Material hinterher ohnehin. Zudem können Schutzbleche je nach Montage das Handling beeinträchtigen und fügen ein wenig Gewicht hinzu.
Abgesehen davon sehe ich keine großen Anforderungen. Tendenziell empfiehlt es sich auf zusätzlichen Ballast zu verzichten, um das Gewicht gering und die Wendigkeit hoch zu halten.

Aber nun endlich zu den Bikes

  • Commencal Ramones 12″ / 14″ – 220,- bis 310,- EUR zzgl. Lieferung
    Das sehr stylische MTB-Laufrad für Kinder zwischen 90 cm und 105 cm (12″) bzw. 95 cm und 110 cm (14″) wiegt ca. 4,5 kg. Der Rahmen ist für die Montage einer Scheibenbremse bis 160 mm vorbereitet. Gebraucht werden die Bikes (häufig mit Scheibenbremse) derzeit um 200,- EUR gehandelt. Im Lieferumfang ist bereits eine Klingel und ein Fußtritt enthalten.
  • Early Rider Big Foot 12″ – 230,- EUR zzgl. Lieferung
    Für Kinder von 2-4 Jahren bzw. mit einer Innenbeinlänge von ca. 33 cm ist dieses sehr leichte (3,75 kg) Laufrad. V-Brakes sind bereits inklusive. Auf dem Gebrauchtmarkt findet man bislang vor allem die Vorgängermodelle ohne Bremse für meist deutlich unter 200,- EUR.
  • Kids Ride Shotgun Dirt Hero 12″ – 340 bis 460 EUR inkl. Lieferung
    Ursprünglich bekannt durch den MTB-Soziussitz für das Oberrohr hat auch Kids Ride ein Laufrad in 12″ und 14″ für Ende März 2023 angekündigt. Es soll 4 kg bis 4,7 kg wiegen und mit Magura-Scheibenbremse bestellbar sein. Klingt vielversprechend!
  • Cube Cubie 120 Walk / RT – 230,- bis 330,- EUR zzgl. Lieferung
    Cube ist einer der aktuell beliebtesten MTB Hersteller, der gute Kinder-Bikes in allen Größen herstellt. Das 12″ Laufrad ist ein schöner Einstieg für Kids und im Gegensatz zu den meisten gelisteten Bikes evtl. sogar im stationären Handel zu finden. Erwähnenswert: es gibt auch die RT-Variante, die schon als echtes 12″ Fahrrad mit Pedalen daherkommt! Für alle Kids, die besonders früh loslegen wollen oder auch für den nicht ganz so groß gewachsenen Nachwuchs. Das Pedal-Bike kommt mit V-Brakes (das Laufrad leider nicht). Beide Bikes sind für Kinder zwischen 87 cm und 104 cm ausgelegt. Das Gewicht liegt bei 3,9 kg (Laufrad) bzw. 5,9 kg (Fahrrad). Gebraucht wird das Laufrad um 100,- EUR gehandelt, das Pedal-Fahrrad eher über 200,- EUR.
  • Specialized Hotwalk 12″ – 160,- bis 1200,- EUR
    Auch der renomierte High-end MTB Hersteller Specialized bietet 12″ Laufräder. Mich persönlich überzeugen sie nicht gänzlich, zumal die Vorbereitung zur Montage einer Bremse fehlt. Aber für zahlungskräftige Eltern gibt es sogar ein Modell mit Karbon-Rahmen und -Felgen. Gebraucht ist das einfache Modell oft deutlich unter 100,- EUR zu finden.
  • Propain Bam Bam 14″ – 280,- EUR zzgl. Lieferung
    Vom deutschen Anbieter Propain gibt es das Laufram erst in 14″. Es oll aber trotzdem schon für Kinder ab 90 cm bis 110 cm geeignet sein. Auch hier kann eine Scheibenbremse nachgerüstet werden. Die Fußauflage ist als Teil des Rahmens ausgeführt, das Gewicht liegt bei 4,5 kg. (Siehe auch bike Magazin.) Gebraucht ein eher rares Stück.
  • Woom Original 1 12″ / 1 Plus 14″ – 230,- bis 280,- EUR zzgl. Lieferung
    Nicht umhin kommt man natürlich auch die Lifestyle-Laufräder von Woom zu erwähnen. Wunderbar leicht (3 kg bzw. 4,5 kg) und für Kinder von 82 cm bis 100 cm bzw. 95 cm bis 110 cm geeignet kommen sie mit V-Brakes, solider Qualität und vielen durchdachten Details. Das größere Laufrad ist im Prinzip ein Woom 2 nur ohne Pedale. Die Bikes liegen preislich in der Liga der Konkurrenten aus dieser Liste. Woom lässt sich etwaiges Zubehör allerdings recht teuer bezahlen (z. B. das Surfboard für das 1 – beim 1 Plus ist es schon dabei). Dafür sind die Bikes dieses Herstellers sehr gefragt und erzielen gute Preise am Gebrauchtmarkt – vor allem wenn das gewünschte Modell oder die gewünschte Farbe gerade neu nicht lieferbar ist. Zudem ist Woom auch jenseits der „MTB-Bubble“ bekannt und beliebt, so dass es eine große Nachfrage gibt. Gebraucht findet man das Woom 1 für rund 160,- bis 180,- EUR, das 1 Plus um 200,- bis 220,- EUR.

Ihr seid bei den Laufrädern nicht fündig geworden?
Oder euer Kind ist schon etwas weiter und ihr seid bereit für den nächsten Schritt?
Dann schaut euch auch die „echten“ Fahrräder mit Pedalen in 12″ und 14″ an.

Scheibenbremsen? Really?

Sind Scheibenbremsen an einem Laufrad für 2- bis 4-jährige Kinder notwendig?

Die Antwort ist einfach: Nein!
Generell halte ich Bremsen – egal welchen Typs – jedoch, wie oben schon erwähnt, für sinnvoll. Welche Art Bremse es nun sein soll ist am Ende eine Frage des Geschmacks und welche Optionen das gewünschte Bike bietet. Es spricht aber natürlich auch nichts gegen eine gute (Scheiben-) Bremse am Rad, die wirklich cool aussieht.

Daher die zweite Frage: Machen Scheibenbremsen am Kinderlaufrad etwas her?

Unbedingt!
Wer also die zusätzliche Investition sowie die Montage nicht scheut und das Bike des Nachwuchs etwas upgraden möchte, dem seien die entsprechenden Bikes von Commencal, Propain oder Kids Ride ans Herz gelegt. Letztere sollen ab April 2023 auch schon mit vormontierter Magura-Bremse bestellbar sein – ein Traum für jeden kleinen Biker! Die genaue Preisgestaltung ist noch nicht bekannt.

Foto des rechten SRAM Level Bremshebels an einem Canyon Offspring AL 16" Young Hero Kinder-Mountainbike.
Foto einer mechanischen Tectro Scheibenbremse am Hinterrad eines Commencal Ramones 16" Kinder-Mountainbikes

Welche Bremse?

Wie auch bei vielen Kinder-Mountainbikes wird für Laufräder meistens auf eine SRAM Level Bremse zurückgegriffen. Diese ist einfach gehalten, leicht und relativ günstig (ab 40,- EUR zzgl. 10,- EUR für die Bremsscheibe). Nachteil ist allerdings, dass sie keine Verstellung der Griffweite zulässt, also nicht für alle Kinderhände optimal ist. Eine konkrete Empfehlung habe ich hier nicht. Wir sind mit den Level-Hebeln am 16″-Bike klargekommen, fahren am 20″-Fully aktuell SRAM G2 RSC Hebel (mit Griffweiteneinstellung), die allerdings preislich deutlich über der Level liegen (150,- bis 200,- EUR). Eine andere verbreitete Option für Kinder-MTBs sind die mechanischen Scheibenbremsen von Tektro (Aries MD-M300; um 50,- EUR inkl. Bremsscheibe), die ich allerdings noch nicht an einem Laufrad gesehen habe (es dürfte aber eigentlich nichts dagegen sprechen). Wer sich ein wenig umschaut findet weitere Optionen um 50,- EUR von SRAM (Level T) oder Magura (MT4, MT Sport), die eine Griffweiteneinstellung bieten und nicht nur am Kinderbike richtig gut aussehen (und arbeiten). Bei der Auswahl zu beachten ist, ob der Bremssattel zum Rahmen passt oder ggf. ein entsprechender Scheibenbremsadapter benötigt wird. Die hier gelisteten Bikes haben – soweit ich es im Überblick habe – alle einen IS 2000 Mount, die SRAM Level und Tectro sind für Post Mount (PM) ausgelegt.

Bei der Montage muss die Bremsleitung gekürzt werden, da die bestellbaren Sets auf größere Fahrräder ausgelegt sind (meist 180 cm Leitungslänge für Hinterradbremsen). Dazu ist etwas handwerkliches Geschick nötig, idealerweise bringt man Erfahrung im Umgang mit hydraulischen Scheibenbremsen mit. Zudem kann spezielles Material und Werkzeug nötig sein (Bleed-Kit, Bremsleitungsschneider, Bremsflüssigkeit, etc.). Die Tektro mit klassischem Bowdenzug ist diesbezüglich sicherlich etwas einfacher in der Handhabung.

Lohnt sich die Investition?

Es gibt natürlich zahllose andere Angebote in unterschiedlichsten Preisklassen. Die hier aufgeführten sind mir bei meiner Suche nach Laufrädern mit MTB-Ausrichtung besonders aufgefallen. Die Preise sind sicherlich abschreckend – vor allem wenn man bedenkt, dass das „Standard“-Puky Laufrad neu für unter 100,- EUR und gebraucht für kleine zweistellige Beträge zu haben ist. Der Preis relativiert sich m. E. allerdings durch den potentiell hohen Wiederverkaufswert. Die gebotene Qualität rechtfertigt die Preisschilder auf jeden Fall. Und wer selbst gerne MTB oder allgemein Fahrrad fährt, der weiß:

Mit gutem Material macht das Fahren einfach viel mehr Spaß!

Es sei aber auch erwähnt, dass nicht jedes Kind die Bike-Begeisterung der Eltern teilt – egal wie viel Mühe man sich gibt. In diesem Fall hilft vermutlich auch das teuerste und coolste Lauf- oder Fahrrad nicht. Manche als „neuwertig“ oder „selten benutzt“ verkaufte Gebrauchträder zeugen vermutlich von solchen Geschichten. Da reicht dann also vielleicht doch das günstige Laufrad vom Fahrradladen um die Ecke für die gelegentliche Fahrt zum Kindergarten.

Der rosa Elefant im Raum

Zum Abschluss noch ein Wort zum (gefühlten?) Marktführer bei Kinderfahrzeugen: Puky
Die Fahrzeuge gehen oft durch viele Kinderhände und haben teils Generationen überlebt. Qualitativ scheinen sie also nicht schlecht zu sein. Puky geht auch mit der Zeit und hat mittlerweile sogar ein 12″ MTB-Laufrad mit V-Brakes im Angebot, das auf den ersten Blick mit manchem der oben gelisteten Bikes mithalten kann.
Die Firma vermarktet ihre Produktion in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) allerdings als soziales Engagement. Ohne Detailkenntnisse über die konkrete Situation in den genutzten Einrichtungen zu haben empfinde ich das als schwierig. Allgemein gibt es eine breite Kritik an WfbM, da sie häufig ihrem Kernauftrag der Inklusion diametral entgegen arbeiten. Darüber hinaus erhalten die dort arbeitenden Menschen ein Entgelt weit unter Mindestlohn – häufig nicht mal 2,- EUR pro Stunde.
Vor diesem Hintergrund werde ich persönlich auf die Anschaffung eines Pukys verzichten, auch wenn unser erstes Laufrad ein sehr einfaches Modell von eben diesem Hersteller war und bis zu seinem Weiterverkauf tadellose Dienste geleistet hat.


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